Warum ein Dialogforum?

Auf eine Initiative der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP) und dem WWF Deutschland im Jahr 2013, hat sich die Dialogplattform für nachhaltigere Eiweißfuttermittel gebildet. Ziel ist es, Lösungsstrategien zum Einsatz von nachhaltigeren Eiweißfuttermitteln in Deutschland gemeinsam mit allen Akteuren der Wertschöpfungskette zu entwickeln. Für diesen Dialogprozess hat der WWF Deutschland seit Oktober 2014 mit Fördermitteln der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) die Fortsetzung verantwortlich übernommen. Das Projekt soll mittel- und langfristig dazu beitragen, dass vermehrt nachhaltigere Eiweißfuttermittel in Deutschland eingesetzt werden.

In Deutschland schwankt der Anteil importierter eiweißhaltiger Kraftfutterkomponenten zwischen 35 % und 45 %. Die deutschen Nettoimporte von Soja betragen pro Jahr ca. 3 bis 4 Mio. t Sojabohnen und ca. 2 Mio. t Sojaschrot.

Sojabohnen liefern hohe Eiweißmengen pro Hektar und gehören zu den lukrativsten aller landwirtschaftlichen Produkte. Tofu, Sojamilch und Sojasoße – das sind Produkte, die Verbrauchern beim Stichwort Soja einfallen. Nicht mit auf der Liste sind Fleisch, Milch und Eier. Dabei werden fast 80 Prozent des weltweit angebauten Sojas als Futtermittel verwendet.


Sojafeld in Mato Grosso, Brasilien

Sojabohnen werden schon seit tausenden von Jahren in Asien angebaut, aber im Verlauf des vergangenen Jahrhunderts wurde die Sojaproduktion drastisch ausgedehnt. In den letzten fünfzig Jahren wurde die Sojaproduktion von 27 Millionen Tonnen auf 269 Millionen Tonnen um das Zehnfache gesteigert. Mit der Ausweitung des Sojaanbaus ging eine starke Konzentration auf wenige Regionen der Welt einher. 80 % der Sojabohnen weltweit kommen aus USA, Brasilien oder Argentinien. In den letzten Jahren steigt aber auch der Anbau in Bolivien, Uruguay und Paraguay stark an. In Paraguay wurde 2009 auf 68 % der gesamten Ackerfläche Soja angebaut.


Für die Ausweitung der Ackerfläche wurden im Lauf der vergangenen Jahrzehnte (und werden immer noch) riesige Wald-, Grasland- und Savannenflächen umgewandelt. Die in Südamerika für den Sojaanbau genutzte Fläche wuchs von 17 Millionen Hektar im Jahr 1990 auf 46 Millionen Hektar im Jahr 2010 an, wobei dieser Zuwachs größtenteils auf Kosten natürlicher Ökosysteme ging. Von 2000 bis 2010 wurden 24 Millionen Hektar Land in Südamerika in Ackerflächen umgewandelt: Im selben Zeitraum wurde die für den Sojaanbau genutzte Fläche um 20 Millionen Hektar erweitert. Die Umwandlung natürlicher Ökosysteme in Ackerflächen hat vielfache Auswirkungen: Biodiversität schwindet, der Verlust von Waldflächen trägt maßgeblich zum Klimawandel bei, und die Degradierung oder Zerstörung von Ökosystemen beeinträchtigt die für uns so wichtige Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts, von sauberem Wasser und gesunden Böden bis hin zu Bestäubungsleistungen und Schädlingsbekämpfung.


Luzerne, Ackerbohne, Erbse und Raps

Die intensive Tierhaltung in Deutschland und der damit verbundene Einsatz von Futtermitteln haben vielfältige Auswirkungen auf die Umwelt und komplexe Wechselwirkungen, die auch in der Gesellschaft diskutiert werden. Die Grundprinzipien der weltweit geforderten nachhaltigen Landwirtschaft sind in diesem Zusammenhang ein wichtiges Thema. Während auf Grund der umfangreichen tierischen Veredlung ein großer Bedarf an Eiweißimporten besteht, die durch Sojaschrot aus anderen Regionen der Welt gedeckt werden, werden gleichzeitig Forderungen einer stärkeren Nutzung der heimischen Futterrohstoffe diskutiert. Um langfristig den Einsatz heimischer/europäischer Futtermittel zu erhöhen, muss der Anbau von Eiweißpflanzen wie zum Beispiel Luzerne, Ackerbohnen und Erbsen ausgebaut werden. Die Landwirte müssen für einen nachhaltigen Futtermittelanbau honoriert werden. Dazu bedarf es politischer Rahmenbedingungen wie einer Stärkung der nationalen Eiweißpflanzenstrategie: Die Bundesregierung will damit heimische Eiweißpflanzen – sogenannte Leguminosen – durch Förder- und Forschungsprogramme wieder stärker auf die Felder bringen.